18.1.2012

Hygiene unter Zeitdruck

Wittener Krankenhäuser setzen bei Putzkräften auf QualitätWITTEN Die Hygienevorschriften in Krankenhäusern kollidieren beständig mit den unter eindeutigem Zeitdruck stehenden Reinigungskräften. Das Marien-Hospital und das Ev. Krankenhaus legen bei diesem Thema hohen Wert auf Qualität. Von Lisa Timm

„Wir vergeben die Aufträge an Fremdreinigungs-Firmen nur mit klarer Qualitäts-Definition“, sagt Theo Freitag, Chef im Marien-Hospital.

Zwar würden Reinigungsfirmen sehr unternehmerisch agieren und versuchen, ihre Gewinne zu steigern, „doch dafür setzen wir Hygienefachkräfte ein, die gezielt und unangemeldet kontrollieren“, sagt Freitag.

Bundesweit ausgeschrieben

In 2008 hat das Marien-Hospital bundesweit ausgeschrieben und seitdem ein Reinigungs-Unternehmen unter Vertrag, das die hohen Qualitätsansprüche im katholischen Krankenhaus umsetzen könne. Dies lässt sich das St. Marien einiges kosten. „Begründete Preissteigerungen haben wir seitdem nach oben hin angepasst. Nicht so wie andere, die den Vertrag von Anfang an tariflich einfrieren.“

Zudem schreibe das St. Marien-Hospital regelmäßig neu aus, um zu überprüfen, ob die gewünschte Qualität marktüblich ist und zum angemessenen Preis vergeben wurde.

Zwei Reinigungen täglich

Zwei Reinigungen täglich und am Wochenende sind Vorschrift im Evangelischen Krankenhaus. Dort sind Reinigungskräfte von Rhein-Ruhr, einer Tochterfirma der Diakonie am Werk. Auch sie sehen sich einer permanenten Kontrolle unterworfen. Hygienefachkraft Ulrich Fiegenbaum überprüft ständig das hauseigene Farbkonzept, das den Putzfrauen klar vorgibt, welcher Lappen für welchen Bereich zu benutzen ist. Rotes Tuch für den Sanitärbereich und das blaue fürs Zimmer.

„Nach jedem Zimmer gibt´s neue Lappen“, so Fiegenbaum. Auch die Bezüge der Wischmopps werden nach jedem Zimmer gewechselt. Anschließend werden die Tücher sofort gereinigt und getrocknet, damit keine „Pseudomonaden“ entstehen, so genannte Pfützenkeime. Fiegenbaum überprüft regelmäßig die Reinigungsleistung der Waschmaschinen.

Tariflohn ausgehebelt

Zwar gibt es einen Tariflohn in der Branche, aber der werde von den Reinigungsunternehmen gerne zu Ungunsten der Putzkräfte ausgehebelt, weiß Jürgen Rümmler, Branchensekretär Gebäudereinigung bei der IG Bau, Bezirksverband Bochum-Dortmund. „Steigt der Lohn, wird die Stundenzahl bei gleichbleibender Putzfläche gekürzt.“

Jürgen Gülich, vom gleichnamigen Reinigungs-Unternehmen in Stockum, weiß um die Ansprüche, die in Krankenhäusern gestellt werden. „Da ist besondere Kenntnis über die Reinigungs-Chemie ganz entscheidend“, so Gülich. Gleichzeitig verweist er darauf, dass ein weit größerer Anteil an der Hygiene beim Pflegepersonal und den Ärzten liege. Kommentare neuen Kommentar verfassen

Quelle: RuhrNachrichten Witten

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